Forum Alte Musik Köln: Saison 2020/2021

Das Programm für die Spielzeit 2020/21 ist da: Zur Übersicht... Nachholtermin Ergastos Armouren (14.06.20) 10.01.21 Ausstehende Sendetermine bei WDR 3 (jeweils nach den 20-Uhr-Nachrichten) 16.07.20 Jacquard Quartet 07.10.20 Compagnia di Punto

WDR-Funkhaus Trinitatiskirche

Der Slogan Klasse statt Masse war den Komponisten der Barockzeit noch nicht vertraut, das Prinzip aber durchaus: eine Sinfonia a quattro ließ sich schon mit genau vier Instrumenten perfekt aufführen. Aber man ging da flexibel vor, chorische Besetzungen solcher Werke waren auch willkommen – je nach Anlass, Zeit und Ort. Flexibel zu sein ist auch heute gefragt. Die Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben durch die Corona-Pandemie haben die immer schon kreativen Interpretinnen und Interpreten der Alte-Musik-Szene zu so manchen neuen aufführungspraktischen Formaten und Programmen geführt. Das anspruchsvolle Musizieren in kleinerer Besetzung ist noch stärker in den Fokus gerückt – die Kammermusik also, die ihren Namen dem ursprünglichen Aufführungsrahmen in der Abgeschiedenheit adeliger Privatgemächer und Kunstkabinette verdankt.

Wie gewohnt spiegelt das Forum Alte Musik Köln in seinem neuen Programm die aktuellen Diskurse in der Szene der historischen Aufführungspraxis wider. Exquisite Solokantaten, Arien und Kammerkonzerte aus dem barocken Neapel um 1700 bilden den Spielzeit-Auftakt, kongenial interpretiert vom Countertenor Andreas Scholl, der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und ihrem Ensemble 1700. Den böhmischen Meistergeiger Heinrich Ignaz Franz Biber in Salzburg stellt Ariadne Daskalakis mit ihren Continuo-Partnern im Ensemble Vintage Köln als exquisiten höfischen Kammermusiker vor; die Auszüge aus seinen Rosenkranz-Sonaten treten dabei in den Dialog mit nicht weniger grandiosen Werken von Bach, Händel und Vivaldi. Als Vizekapellmeister mit Sinn für große orchestrale Gesten ist Biber dann in den prachtvollen Ensemblesonaten zu erleben, die Florian Deuter und Mónica Waisman für den Auftritt ihrer Harmonie Universelle zusammengestellt haben.

Einer besonderen Facette der erlesenen vokalen Kammermusik im Italien des 16. und 17. Jahrhunderts widmet sich das Basler Vokalensemble Voces Suaves, während sich das Instrumentalconsort Nuovo Aspetto mit der Sopranistin Hannah Morrison und dem Countertenor Alex Potter auf die Arien und Duette des genialen venezianischen Opernkomponisten Francesco Cavalli konzentriert. Originelle Kammermusik für tiefe Streichinstrumente haben Simone Eckert und ihre Hamburger Ratsmusik im Gepäck und ebenso Christophe Coin und Davit Melkonyan: zu erleben sind zum einen Kompositionen für Viola da gamba und Baryton aus dem Umfeld Joseph Haydns, zum anderen Celloduos des 19. Jahrhunderts.

Der Dezember-Termin der neuen Spielzeit ist hingegen für ein unerhörtes Weihnachtsoratorium reserviert: Hermann Max hat es für seine Rheinische Kantorei und sein Barockorchester Das Kleine Konzert aus geistlichen Kantaten Georg Philipp Telemanns zusammengestellt. Außerdem wird im Januar 2021 die neuzeitliche Erstaufführung der Pastoraloper von Jakob Greber nachgeholt, die eigentlich schon für Juni 2020 geplant war: das Debütkonzert beim Forum Alte Musik Köln für das Orchestra Kairos und eine Reihe vielversprechender junger Sängerinnen und Sänger der Hochschule für Musik und Tanz Köln unter der bewährten Leitung von Kai Wessel.

Die Konzerte der neuen Spielzeit verteilen sich auf das WDR-Funkhaus und die Trinitatiskirche. Alle sind sie selbstverständlich auch noch im Kulturradio WDR 3 zu hören.

Ein Bonbon bietet das Forum Alte Musik Köln außerdem noch in einer Kooperation mit dem Zentrum für Alte Musik zamus zum International Early Music Day am 21. März: Da präsentiert Andreas Spering in der Trinitatiskirche mit seiner Capella Augustina Johann Sebastian Bachs Weimarer Kirchenkantate Himmelskönig sei willkommen – und anschließend die berühmte Kaffeekantate einmal op Kölsch.